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  • heimisch 02/2022

    Mehr als ein Lieblingsplatzerl

    Zu Besuch bei Familie Steinegger in Buch am Buchrain erfahren wir, warum Holzhaus nicht gleich Holzhaus ist, wie man Baureste geschickt verwertet und wieso man nie genug Sitzplätze haben kann.

    Wir fahren Slalom zwischen parkenden Baufahrzeugen und Baukränen hindurch, kurven durch die Neubausiedlung aus Einfamilienhäusern, die hier gerade in Buch am Buchrain im Landkreis Erding entsteht. Wir sind in das Haus von Familie Steinegger eingeladen. Unsere Gastgeber sind schon fast fertig mit dem Hausbau, Baufahrzeuge stehen hier nicht mehr vor der Tür. Dafür empfängt uns das Haus mit einer einladenden Fassade, die gemütlich und modern zugleich wirkt, durch den Kontrast aus Holzfassade im oberen Bereich und einer kühlen, grauen Wandfarbe im Erdgeschoss.

    Die Bauherren Melanie und Sebastian Steinegger und ihr Sohn Benjamin erwarten uns schon. Beim ersten Schritt ins Haus steigt uns gleich ein besonderer, wenngleich dezenter Duft in die Nase. Es riecht nach Holz. Kein Wunder, denn wir stehen hier in einem Massivholzhaus. Sebastian, der Bauherr erklärt uns:

    Dieses Eigenheim ist nämlich ein Holzhaus mit Massivholzmauern. Das Besondere an dieser Bauweise ist, dass die Außenwände aus 25 Zentimetern Massivholzmauern bestehen. Es folgt eine Wärmedämmung aus weichen Holzfasern und abschließend eine weitere Wärmedämmschicht von sechs Zentimetern in Form von harten Holzfasern als Putzträgerplatte. 

    So dient die Wand als Speichermasse, nimmt also im Sommer die Wärme in der Wand auf, während die Innenluft kühl bleibt. Nachts wird die Wärme nach außen hin wieder abgegeben. Im Winter funktioniert die massive Holzwand andersherum. Die Heizungsluft von innen wird von den Wänden aufgenommen und das Haus kühlt nicht so schnell aus. Ebenfalls besonders ist, dass auf chemischen Leim verzichtet wird.

    Die Bauteile werden nicht verleimt, sondern mit Aluminiumnägeln genagelt. Daher können die Seitenwände im Werk vorgefertigt und vom Holzbauunternehmen komplett angeliefert werden. So entstand innerhalb von nur drei Tagen der Rohbau dieses Holzhauses durch die Zimmerei Pösl aus Anzing. Lediglich die Betonbodenplatte wurde schon vorher erstellt.

    Nicht nur der Rohbau stand so schnell, erzählt Bauherrin Melanie. Gerade einmal knappe neun Monate dauerte das Bauprojekt vom Aushub der Baugrube Ende Februar 2020 bis zum Einzug ins Eigenheim Mitte November 2020. Dabei hat das Einfamilienhaus Außenmaße von 13 x 9 Metern, besteht aus zwei Vollgeschossen und bietet eine Wohnfläche von etwa 185 Quadratmetern. Dass es so schnell gehen kann, sei ein weiterer Vorteil eines Holzhauses, erklären die Bauleute. 

    Im Flur fällt der erste Blick direkt auf die gerade Treppe nach oben. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung“, berichtet das Paar, „wir wollten nie ein separates Treppenhaus, sondern die Treppe immer kurvenlos und im Mittelpunkt haben.“ Der breite Flur soll mit der Treppe im Zusammenspiel dem Besucher ein einladendes Gefühl vermitteln.

    Vom Eingangsbereich aus erreicht man das Gästezimmer, das Gäste-WC sowie den Technikraum, und über eine Schiebetür kommt man in den vorderen Bereich des Hauses mit halboffenem Wohn- und Essbereich sowie Küche.

    Auf einen Keller hat das Paar bewusst verzichtet. Man müsse eben auch auf die Kosten achtgeben, sagen sie: „Da haben wir den Keller gespart.“ Stauraum ist dafür im Haus selbst eingeplant. Zum Beispiel wurde der Raum unter der Treppe geschickt ausgenutzt – eine ausziehbare Garderobe, sowie Regalfächer unter den Stufen bieten jede Menge Platz für das, was man so verstauen muss. Jeder Winkel wird so optimal ausgenutzt.

    In der Küche entdecken wir die Farbkombination der Außenfassade wieder – dunkle, kühle Steinoptik und warmes Holz treffen aufeinander. Bei der Ausstattung der Küche war der Familie vor allem wichtig, was in vielen Küchen mittlerweile Standard ist: die Spülmaschine auf ergonomischer Höhe zu haben, also ein Einbau der Maschine etwa 30 bis 45 Zentimeter höher als gewohnt, um sich nicht zu tief bücken zu müssen. Ebenso wenig wollten sie auf den Apothekerschrank verzichten.

    Direkt neben dem Küchenbereich steht der Esstisch. Eine halbhohe Wand trennt den dahinter liegenden Wohnbereich luftig ab.

    „Nehmt’s ruhig Platz!“, lädt uns Melanie ein. Aber wo soll man sich zuerst setzen? Es fällt auf – hier werden einem zahlreiche Sitzmöglichkeiten angeboten: auf den Barhockern an der Kücheninsel, am Esstisch, auf der Fenstersitzbank, auf dem Kaminbankerl und nicht zuletzt auf dem komfortablen Sofa. Jeder Platz sieht sehr einladend und gemütlich aus. Das war der Bauherrin von Anfang an wichtig.

    Auch die großzügige Terrasse, die durch Schiebetüren begehbar ist, scheint wie gemacht für Gäste und einen Grillabend im Sommer. Melanie ist trotzdem noch nicht ganz mit dem Außenbereich zufrieden: „Das muss alles noch hergerichtet werden“, sagt sie. Bei einem Neubau ist eben nicht alles gleichzeitig fertig. Gerade der Außenbereich steht oftmals hinten an. Dafür haben sie schon bei der Planung an ein kleines Detail gedacht, dass alle Landbewohner brauchen könnten: An den Fenstern wurden von vornherein Schiebe-Fliegengitter integriert.

    Das Paar führt uns über die Holztreppe nach oben ins Obergeschoss. Auch hier stoßen wir gleich wieder auf eine einladende Sitzgelegenheit: Ein gelber Ohrensessel in der Ecke des Treppenaufgangs oben lädt zum Verweilen ein. Im ersten Stock befinden sich außerdem die Schlafzimmer, aufgeteilt in drei separate Zimmer, inklusive einem Ankleidezimmer am Elternschlafzimmer angeschlossen. Etwas weiter erreichen wir eine offen gestaltete Arbeitsecke und ein separates Bad. Im ganzen Stockwerk wurden weiße Türen eingebaut, die Decke erstreckt sich bis hoch zum Giebel. Das Obergeschoss wirkt daher luftig und hell.

    Wir gehen ins Bad und wissen nicht recht, wo wir zuerst hinschauen sollen. Zunächst fallen die rustikalen Holzbalken an der Decke auf, die gemütlichen Hüttenzauber ins Bad bringen. Außerdem fasziniert uns das Bad durch seine außergewöhnliche Raumaufteilung, denn Waschbecken, Dusche und Toilette sind nicht rundherum an den Seitenwänden angebracht, sondern es wurden für sie kleine Bereiche durch Trennmauern geschaffen. So ist der Waschtisch an eine Trennmauer montiert, auf deren Rückseite sich die Badewanne befindet. Die Dusche wiederum ist hinter einer Wand versteckt, die Toilette ebenfalls, genau am anderen Ende. „So geht sich die Familie nicht im Weg um, wenn sie gleichzeitig das Bad benutzen“, erklärt Sebastian. Damit alles auch zur Geltung kommt, wurden LED-Lichtleisten im Balken von vornherein mit eingeplant. Und was darf auch in diesem Raum selbstverständlich nicht fehlen? Genau, ein Sitzplatz! Auch, wenn der anfangs eigentlich gar nicht geplant war, erklärt Melanie. Aber direkt darunter verläuft die Treppe und um die entstandene Schräge an dieser Stelle zu vertuschen, kam die Idee der Sitzbank auf. Eine glückliche Fügung.

    Einige Ideen entstehen eben erst während des Bauens. 

    So kam auch erst mitten im Bauen die Idee auf, aus Resten der rustikalen Deckenbalken die Luke zum Dachboden zu bauen. Eine überaus gelungene Resteverwertung, die Ressourcen spart und auch optisch ordentlich was hermacht. Auch ein paar übrig gebliebene Fliesen aus dem Bad bekamen einen weiteren Einsatzort: kurzerhand wurde mit ihnen die Wand unter dem Außenwasserhahn im Garten gefliest. Praktisch und ein Hingucker zugleich. „Da haben wir die Ideen und Tipps aus dem Erfahrungsschatz unserer Handwerker gern angenommen. Auch die Ankleide wurde aufgrund der Beratung durch die Fachleute größer als geplant“, berichtet Sebastian. 

    Ob das Paar im Rückblick etwas anders gemacht hätte? Die Bauleute überlegen. Man sei ja immer auch an Gegebenheiten gebunden beim Bauen, beispielsweise an die Ausrichtung des Grundstücks. Von welcher Seite her es erschlossen ist, ist vorgegeben. So liegt der Eingang bei ihnen im Westen, den Garten konnten sie daher Richtung Süden planen. 

    Außerdem hätten sie beim Grundstückskauf gleich den Gasanschluss mitbezahlt und sich daher für eine Fußbodenheizung mit Gas entschieden, inklusive Photovoltaikanlage der Firma Sunnavoltaik, Warmwasserwärmepumpe und Kachelofen, der das Erdgeschoss beheizt. Das sei die beste Lösung gewesen, auch für das Preis-Leistungsgefüge, erklären die Bauherren. Ausgesucht hätten sie sonst aber vielleicht etwas anderes.

    Und ein paar Kleinigkeiten seien ja immer „nicht ganz perfekt“ erzählen sie, aber das falle vor allem ihnen selbst auf. Und das stimmt wohl. Denn uns ist nur Gemütlichkeit und Wohnlichkeit aufgefallen. 

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